C+M+B: Die wahre Herkunft der Sternsinger?




In bayerisch- alpenländischen Gegenden bis in die Oberpfalz existiert der Brauch des Sternsingens. Als Könige gekleidet ziehen die Ministranten der örtlichen Pfarreien in der Zeit vom 5. und 6. Januar (oft auch schon zwischen dem 1. und dem 6. Januar) von Haus zu Haus, singen dort ein Lied oder sprechen ein Gedicht und sammeln Gaben, die als Spenden verwendet werden. Dabei hinterlassen sie an der Haustüre oder am Türbalken ihr Zeichen, bestehend aus der Jahreszahl, einem Stern und dem Kürzel C+M+B (also: 20*C+M+B 21) in einer Schrift aus geweihter Kreide, neuerdings auch oft als Aufkleber.

Eine übliche Erklärung der Bedeutung der Buchstaben besteht in dem lateinischen Vokabular „(C)ristus (M)ansionem (B)enedicat“ (Christus segne dieses Haus). Gott solle also das Haus und die Bewohner für das kommende Jahr beschützen.
Eine weitere Deutung innerhalb der kirchlichen Tradition besteht in den Namen der drei Weisen oder die hl. Drei Könige, die einem hellen Stern folgend die Geburtstätte Jesu aufsuchten: (C)aspar, (M)elchior und (B)althasar. Hier segnet also nicht Gott das Anwesen, sondern die drei Könige. Wie die Könige zu diesen Namen kamen ist allerdings nicht belegt, heißen sie zum Beispiel in Syrien doch: Larvandad, Hormisdas und Gushnasaph. Ohnehin wird der Brauch des Sternsingens von manchen erst auf den Beginn des 16. Jahrhunderts datiert, wonach also die genannten Bedeutungen nicht sehr alt sind. Wie alt sind also diese Insignien wirklich und was ist ihre Bedeutung?

Eine rein christliche Herkunft darf hier bezweifelt werden. Gerade dort wo sich christlicher Glaube und eingesessene Mythen vermischen, finden sich oft Spuren älterer Traditionen.
So beschreibt die Volksweisheit in Österreich -fernab des christlichen Glaubens- die Kürzel C+M+B als die drei weißen Gaben an die Frau Percht, die große Ahnfrau die in der Nacht auf den 6. Januar erwartet wird. Um sie gnädig zu stimmen und ihren Schutz für Haus, Hof und Land zu erbitten werden diese Gaben in Form von: Käse (C/K) Milch (M) und Brot (B) bereitgestellt.
In der Steiermark (Ennstal) erscheint die Frau Percht sogar in einer Dreiheit. Es war Brauch, dass drei Frauen gekleidet als weiße, rote und schwarze Percht von Haus zu Haus zogen und den Segenswunsch brachten. In diesem Brauch sehen wir zweifellos den älteren Brauch des 6. Januars, der später dann verchristlicht und vermännlicht wurde.

In Bayern hat sich der „Dreifrauenkult“ in der Form der „drei heiligen Madl“ erhalten. Es sind die drei Schutzheiligen: Margaretha, Katharina und Barbara. Von denen existiert in Bayern folgender Spruch:

Margaretha mit dem Wurm, (Anbet?)
Barbara mit dem Turm, (Borbet?)
Katharina Mit dem Radl, (Wilbet?)
das sind die heiligen drei Madl!

Betrachten wir die Namen dieser Heiligen und berücksichtigen eine ältere Schreibweise, ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben unser Kürzel: (C/K)atharina, (M)argaretha und (B)arbara.

Hier ist es recht einfach, anhand der jeweiligen Attribute den heidnischen Dreifrauenkult zu erkennen: Margaretha mit dem Wurm oder der Schlange steht hier für die Schöpferin der Welt (Anbet / Frya) und des Kosmos. In alteuropäischen Darstellungen geht ihre Schöpfungskraft (verkörpert in der Schlange) aus Ihrem Schoß hervor.

In Katharina mit dem Rad finden wir die Schiksalsfrau mit dem Spinnrad, dem Schicksalsrad oder dem Mühlrad (Willbet / Lyda). Sie spinnt und mahlt das neue Leben und schenkt den Kindern ihren Lebensweg. Mit dem Rad nähert sie sich der dreifaltigen Frau Percht oder der Frau Holle am ehesten.

Und Barbara mit dem Turm (Borbet / Finda). Der Turm erinnert an das Schloss, das sich oft in den Sagen über die drei Jungfern über den ganzen europäischen Raum findet. Des weiteren hält sie auf den Darstellungen oft einen Kelch in der Hand und weißt so auf die Frau mit dem Kessel hin. In diesen Schoß-Kessel kehrt alles Leben zurück, um nach einer Zeit der Transformation aus dem Kelch des Lebens wiedergeboren zu werden.

In diesem Sinne steckt also hinter Barbara die weiße Göttin der Wiederkehr, hinter Katharina die rote Ahnfrau der Erhaltung und hinter Margaretha die schwarze Göttin der Wandlung (weiße, rote und schwarze Frau Percht). Diese Deutung des Kürzels C+M+B stellt vermutlich den ältesten und auch wahrscheinlichsten Ursprung dar. MT (Marcus Tschage)


Quelle:
Kurt Derungs & Sigrid Früh: Der Kult der drei Heiligen Frauen

Kommentare